Die richtige Strangzahl bei Bogensehnen
Was bedeutet die Strangzahl – und warum beeinflusst sie Ihr Trefferbild? Die Wahl der richtigen Strangzahl ist mehr als ein technisches Detail: Sie entscheidet über Schusskomfort, Energieübertragung und die Sicherheit deiner Wurfarme. Dieser Artikel zeigt, wie Material, Zuggewicht und Bogenart mit der Dimensionierung der Sehne zusammenhängen – für ein besseres Schussgefühl und langlebiges Equipment.
Was bedeutet „Strangzahl“?
Die Strangzahl bezeichnet die Anzahl der Garnstränge, aus denen eine Bogensehne gefertigt ist. Sie beeinflusst:
- Sehnendurchmesser & Steifigkeit
- Nockbettgröße & Mittenwicklung
- Energieübertragung & Pfeilgeschwindigkeit
Die passende Strangzahl sorgt für:
- sicheres Nocken
- stabile Performance
- gute Energieübertragung
- Schutz empfindlicher Wurfarme
Dabei gilt: Eine gute Sehne ist nicht einfach „dick oder dünn“, sondern technisch abgestimmt auf Bogen, Zuggewicht und Stil.
Material entscheidet mit – ein Strang ist nicht gleich ein Strang
| Material | Strangdicke | Dehnverhalten | Typische Strangzahl | Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| B55 (Dacron) | dick | weich, dehnbar | 12–16 | Traditionsbogen, Komfortsehnen |
| 652 Spectra | dünn | steif, wenig Dehnung | 16–22 | Sport-Recurves, FastFlight taugliche Bögen |
| Mercury | sehr dünn | extrem steif | 26–30 | Hochleistung & Wettkampf |
Eine 12‑strängige B55‑Sehne kann beispielsweise dicker sein als eine 16‑strängige 652‑Spectra‑Sehne – denn B55 Garn ist deutlich dicker als moderne HMPE‑Garne.
Aus Sicherheits‑ und Performancegründen orientieren wir uns weitgehend an den Empfehlungen von BCY. Da persönliche Vorlieben im Bogensport jedoch eine wichtige Rolle spielen, fertigen wir auch Sehnen außerhalb dieser Richtwerte.
Bei HMPE‑Garnen steht weniger die mechanische Belastbarkeit im Vordergrund – diese ist bei modernen Fasern sehr hoch – sondern vor allem die sinnvolle Mindeststärke, damit die Sehne nicht zu dünn wird und sauber mit Nocken, Wurfarmen und Mittenwicklung harmoniert.
Irrtümer – „Weniger Stränge sind besser“
Klingt logisch: Weniger Stränge = weniger Gewicht = mehr Leistung? Doch in der Praxis gilt:
- Zu wenige Stränge = zu dünne Sehne
- Nockbett wird instabil
- Komfort sinkt
- Wurfarm leidet
Je nach Zuggewicht und Material kann eine Sehne mit mehr Strängen leistungsfähiger, komfortabler und sicherer sein – nicht leistungsschwächer.
